Aus Erfahrungen lernen
Wie kommt es, dass wir oftmals nur bedingt aus Erfahrungen lernen, bzw. ein und dieselbe Erfahrung immer wieder machen müssen, bevor wir Veränderungsprozess in Gang setzen?
Erfahrungen, die wir Menschen machen, sind oftmals komplexe Zusammenhänge vieler Faktoren aus unterschiedlichen Bereichen unseres Denkvermögens und unserer Gefühlswelt. Wer einmal die berühmte „heiße Herdplatte“ berührt hat, wird es kein zweites Mal tun. Aber wir beschäftigen uns ja mit Erfahrungen, die vielschichtiger sind, etwa mit einer Projektabwicklung, die nicht optimal gelaufen ist. Wir müssen begreifen, dass ein einziges Problem eine Vielzahl von Ursachen haben kann, die alle in Angriff genommen werden müssen, um auch nur punktuell etwas zu verbessern.
Ein zweiter, viel banalerer Aspekt ist, dass viele Erfahrungen einfach nicht klar dokumentiert werden und so bis ins Unkenntliche verschwimmen, während man sie längst wieder brauchen könnte. Eine einfache Checkliste, deren Umsetzung auch kontrolliert wird, kann schon viel helfen.
Gibt es eine Methode diesen Lernprozess zu beschleunigen? Z. B. durch ein systematisches Aufarbeiten wie bei den "Lessons Learned" im Projektmanagement? Wenn ja, was für eine?
Es ist durchaus möglich, Erfahrungen besser nutzbar zu machen. Das betrifft sowohl kollektive als auch individuelle. Diese müssen als solche erst einmal identifiziert, strukturiert und schließlich codiert werden. Zerlegt in gut dokumentierte Wissensbausteine können Erfahrungen dann bei späteren Anlässen effektiv genutzt werden. Das fordert aber einen gewissen Aufwand und ein professionelles methodisches Konzept. In Debriefing-Prozessen werden die Erkenntnisse aller Projektbeteiligten unter fachkundiger Anleitung analysiert und so aufbereitet, dass sie auch bisher unbeteiligten Leuten gut vermittelt werden können. Im Übrigen geht es dabei nicht nur um das Vorhandensein notwendiger Informationen, sondern auch ganz zentral um die menschliche Interaktion: Eine vertrauensvolle Kommunikation und ein angstfreies Klima sorgen dafür, dass man sich untereinander mit individuellen Erfahrungen weiterhilft und eigene Fehler nicht aus Angst vor möglichen Konsequenzen unter den Teppich gekehrt werden.
Dr.-Ing. Wolfgang Sturz, Geschäftsführender Gesellschafter Institut für Management und Kommunikation (IMK) GmbH